1. Übersicht
Dieses Tool simuliert die Trinkwarmwasserbereitung (TWW) für Mehrfamilienhäuser, Wohnheime und Gewerbegebäude nach DIN 4708. Es berechnet den Wärmebedarf, die Speicherdimensionierung, PV-Eigenverbrauch, Wärmepumpen-Effizienz und die Kostenoptimierung – in Echtzeit, 15-Minuten-Auflösung über 24 Stunden.
⚡ Heiz-Priorität (5-Phasen-Strategie):
| Phase 1 | Legionellenschutz: T < 56°C → Heizstab sofort aus Netz (Sicherheit!) |
| Phase 2 | PV zu 100% nutzen: PV → Wärmepumpe (COP-Vorteil) → Rest-PV → Heizstab. Speicher wird thermisch bis +8K überladen (max 75°C) |
| Phase 3 | Batterie laden: Überschüssige PV → Batteriespeicher für die Nacht |
| Phase 4 | Nachtversorgung: Batterie → WP → Heizstab (Speicher aktiv warm halten) |
| Phase 5 | Netz als letzte Quelle: Nur wenn T unter Zieltemperatur fällt |
2. Schnellstart
- Personen & Profil einstellen – Anzahl Bewohner, Zapfprofil (morgens/abends/gemischt), Anzahl Duschen/Waschtische/Küchen
- Speicher prüfen – Das Tool berechnet automatisch das empfohlene Volumen nach DIN 4708. Bei Bedarf manuell überschreiben.
- Erzeugung konfigurieren – PV-Leistung (kWp), Wärmepumpe (kW, COP), optional Batterie (kWh)
- Ergebnisse analysieren – Tagesbilanz, Charts, Jahresübersicht, Kostenoptimierung
- PDF exportieren – Kompletter Berechnungsbericht mit allen Ergebnissen
3. Die vier Bereiche
📊 Tagesbilanz
24h-Simulation mit 15-min-Auflösung. Zeigt Speichertemperatur, PV-Erzeugung, Heizstab/WP-Einsatz, Zapfprofil und Batterie-SOC. Alle Slider reagieren in Echtzeit. Monatswahl über die Monats-Buttons.
📅 Jahresbilanz
Automatische 12-Monats-Simulation mit Batterie-Konvergenz. Zeigt PV-Verteilung, monatliche Kosten, Eigenverbrauchsquote und Amortisation. Klick auf Monatszeile wechselt die Tagesbilanz.
🔧 Auslegung
Speichergeometrie (Durchmesser, Höhe, Oberfläche), Wärmeverlustberechnung mit U-Wert, Durchflussberechnung nach DVGW W553, Aufheizzeit und thermische Kapazität.
🔧 Rohrnetz
Rohrdimensionierung nach DIN 1988-300, Druckverlustbilanz, Zirkulationsberechnung mit physikalischer Rohrdämmung, Pumpenauslegung und Leitungslängen.
4. Parameter im Detail
⚙️ Nutzer & Zapfprofil
| Personen | Anzahl Bewohner/Nutzer. Bestimmt die Gleichzeitigkeit nach DVGW W553 (gestaffelt: 50P → 35% gleichzeitig). |
| Zapfprofil | Morgens: Duschen 6-9h · Abends: 17-21h · Gemischt: Morgens+Abends · Sport: 16-18h. Bestimmt wann Warmwasser gebraucht wird. |
| Duschen/WT/Küchen | Anzahl Zapfstellen je Typ. Fließen in die Bedarfskennzahl N (DIN 4708) und die Rohrdimensionierung ein. |
🔧 Speicher & Isolierung
| Zieltemperatur | Solltemperatur des Speichers (Standard: 60°C). Muss ≥55°C sein für Legionellenschutz. |
| Heizstab/Speicher | Elektrische Leistung pro Speicher. Bei PV wird der HS direkt mit Solarstrom betrieben. |
| Dämmung (Speicher) | Material (PU/MW/EPS), Stärke (mm) und λ-Wert. Berechnet U-Wert und Standby-Verluste physikalisch: R = 1/α_i + d/λ + 1/α_a |
| Dämmung (Leitung) | Alu-PUR Rohrisolierung: ⌀ Rohr + Dämmstärke + λ-Wert. Zylindrische Wärmeleitung für Zirkulationsverlust pro Meter. |
☀️ Erzeugung
| PV-Leistung | Installierte Peakleistung in kWp. PV-Ertrag wird per PVGIS-kalibriertem Gauß-Modell für Köln 51°N berechnet. |
| Wärmepumpe | Elektrische Leistung (kW) und COP. Thermische Leistung = el. × COP. WP wird bevorzugt mit PV betrieben. |
| Batterie | Kapazität in kWh. Wird tagsüber mit Rest-PV geladen und nachts für WP/HS entladen. Min. SOC = 10%. |
🔄 Zirkulation
| Betriebsart | Dauerbetrieb: 24h · Zeitschaltuhr: 2 Perioden einstellbar · Thermostat: Reduziert auf 30% wenn T nahe Ziel |
| Leitungslänge | Wird automatisch aus den Rohrnetz-Gebäudeparametern berechnet (Keller×2 + Steig×2 + Stock×0,5 = VL+RL). |
| Temperatur | Mittlere Leitungstemperatur: T_m = T_Speicher − ΔT_Zirk/2. Bei 60°C und ΔT=5K → T_m = 57,5°C. |
5. Kostenoptimierung
Die Optimierung simuliert tausende Kombinationen aus PV-Größe, Wärmepumpe und Speichervolumen und findet die günstigste Konfiguration:
WP-Primärstrategie:
• Wärmepumpe = Primärheizung (immer aktiv, verschiedene COP/kW-Configs)
• Heizstab = 3 kW/1000L Notfall-Backup (nicht als Optimierungsvariable)
• Batterie = Notfallreserve (separat in Notfall-Analyse bewertet)
• Jede Variante wird über 12 Monate mit Batterie-Konvergenz simuliert
• Filter: Nur Configs mit Min-Temp ≥ 54,5°C (Legionellenschutz)
🚨 Notfall-Analyse
Simuliert den worst case: WP-Totalausfall im Januar. Zeigt für verschiedene Batterie-Größen (0–60 kWh), ob der Heizstab allein die Versorgung sicherstellen kann. Die 4-Stufen-Notfallstrategie beschreibt die automatische Umschaltung.
6. Ergebnisse interpretieren
✅ Gute Werte
Min. Temp ≥ 55°C · EV% > 30% · Netzanteil < 30% · Amortisation < 10 J.
⚠️ Kritische Werte
Min. Temp < 55°C (Legionellen!) · EV% < 10% · Spitzenleistung > Kapazität
| Eigenverbrauch (EV%) | Anteil der PV-Erzeugung der direkt für TWW genutzt wird. Durch thermische Überladung (+8K) und Batterie maximierbar. Physikalische Grenze: TWW-Bedarf ÷ PV-Erzeugung. |
| Tageskosten | Netzstrom + PV-Gestehungskosten − Einspeisevergütung. Negative Werte = Gewinn durch Einspeisung. |
| Standby-Verlust | Wärmeverlust des Speichers in Ruhe. Abhängig von Oberfläche, U-Wert und Temperaturdifferenz. Wird durch Isolierung reduziert. |
| Spitzenleistung | Maximale Heizleistung die bei Stoßentnahme benötigt wird. Muss ≤ verfügbare Leistung (HS+WP) sein. |
7. Berechnungsgrundlagen
| DIN 4708 | Bedarfskennzahl, Speicherauslegung, Aufheizzeit |
| DVGW W553 | Gleichzeitigkeitsfaktoren für Mehrpersonenhaushalte |
| DIN 1988-300 | Rohrdimensionierung, Druckverlust (Darcy-Weisbach + Swamee-Jain) |
| PVGIS | Solare Einstrahlung Köln 51°N, Gauß-Modell mit monatlichen Korrekturfaktoren |
| Wärmeübertragung | Zylindrische Wärmeleitung für Rohr- und Speicherdämmung mit Konvektionskoeffizienten α_i=500, α_a=8–10 W/m²K |
Hinweis: Diese Simulation dient als Planungshilfe und ersetzt nicht die Detailplanung durch einen Fachplaner. Alle Ergebnisse basieren auf vereinfachten thermodynamischen Modellen.
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